Kinder in Gummistiefeln

Die Corona-Krise und die mit ihr einhergehende Einschränkung des Alltags bedeutet für fast alle Menschen eine große emotionale Belastung. Auch Kinder und Jugendliche leiden unter den Auswirkungen der Pandemie, unter Lockdown und Kontaktbeschränkungen. Sie sitzen in kalten Klassenzimmern oder zu Hause in beengten Wohnverhältnissen, dürfen nicht zum Sport und das Treffen mit Freunden ist, wenn überhaupt, nur in sehr begrenztem Ausmaß möglich. Auch fällt es schwer sich auf die Schule konzentrieren, während der Rest der Welt aus den Fugen geraten scheint. [1]

Dieser Artikel soll für die Punkte sensibilisieren, die Kinder und Jugendliche in der Pandemie besonders belasten. Er gibt außerdem Tipps und Tricks, an welchen Stellschrauben alle Familienmitglieder drehen können, um die Herausforderungen der Pandemie mit Achtsamkeit und Meditation gemeinsam bestmöglich zu bewältigen.

Besonders die Schule bleibt in der Pandemie auf der Strecke

Die Pandemie schlägt Kindern und Jugendlichen auf die Psyche

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben die Auswirkungen der Pandemie auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen untersucht. Mehr als 1000 Kinder und Jugendliche sowie 1500 Eltern beantworteten den Fragebogen der Forscher. 71 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben an, sich durch die Pandemie belastet zu fühlen, zwei Drittel sprachen von einer verschlechterten Lebensqualität. Ein drastischer Anstieg von einem Drittel im Vergleich zu vor der Pandemie.

Auch das Risiko für psychische Auffälligkeiten steigt, in der Studie von 18 Prozent vor der Pandemie auf 21 Prozent zum Zeitpunkt der Befragung im Mai. Hyperaktivität und emotionale Probleme nehmen zu und viele Kinder leiden unter psychosomatischen Auffälligkeiten. So gab eine Mehrzahl (54%) der befragten Kinder und Jugendlichen an, öfter gereizt zu sein und knapp die Hälfte (44 Prozent) berichtete von Einschlafproblemen. Auch Kopf (40%) – und Bauchschmerzen (31 %) treten bei ihnen in der Pandemie häufiger auf, so die Forscher. [1]

Die Pandemie belastet die Psyche der Kinder

Wo liegen die Stressfaktoren?

Wer zu Zeiten des ersten Lockdowns aus dem Fenster geschaut hat, den lud der Frühling mit seiner wiedererwachenden Natur und den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres zum Rausgehen ein. Heute, im zweiten Lockdown, treibt uns kaltes und nasses Herbstwetter schnell wieder in die eigenen vier Wände. Wir verbringen also viel Zeit zu Hause. Oft arbeiten die Eltern im Homeoffice, die Kinder sind zwar eigentlich weiter in der Schule, aber zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels (11.11.2020) befinden sich etwa 300 000 Schulkinder in Corona-Quarantäne. Und nachmittags gibt es kaum eine Möglichkeit sich auch mal aus dem Weg zu gehen. Familien mit kleiner Wohnung sind aufgrund beengter Platzverhältnisse deshalb besonders betroffen.

Emotionaler Stress, zu viel Nähe und wenige Möglichkeiten sich auch mal auszupowern oder Abstand zu gewinnen. All das kann schnell zu Gereiztheit führen. Es fällt allen Beteiligten zudem noch schwerer, sich auf ihre Verpflichtungen wie Arbeit und Schule zu konzentrieren. Die belastende Corona-Lage tut ihr Übriges. So zeigen erste Erhebungen leider auch einen Anstieg häuslicher Gewalt unter der Kinder in der Pandemie zu leiden haben. Gerade in dieser Situation ist es deshalb wichtig, sich immer wieder in die Situation des anderen hineinzuversetzen und Verständnis aufzubringen. [2]

Enge Platzverhältnisse in der Pandemie behindern das Lernen

Kinder und Jugendliche leiden unter Lernprobleme in der Pandemie

Viele Kinder und Jugendliche berichten außerdem von Lernschwierigkeiten. Dies trifft insbesondere Kinder mit Eltern, die einen geringen Bildungsabschluss oder einen Migrationshintergrund haben. Oft haben sie Schwierigkeiten dem Nachwuchs bei den Schulaufgaben zu helfen. [1]

Auch Kinder, die eigentlich einer speziellen Förderung bedürfen, zum Beispiel zur Beseitigung eines Sprachfehlers, können vielfach nicht ausreichend unterstützt werden. Dies kann gravierende Folgen haben. Wird ein Sprachfehler bei einem Kind nicht logopädisch vor der Einschulung behandelt, ist das Kind später vielleicht Hänseleien von anderen Kindern ausgesetzt. Eine derartige Erfahrung kann langfristig am Selbstvertrauen nagen. Und gerade Logopäden waren wegen der erhöhten Übertragungsgefahr durch Tröpfcheninfektionen beim Reden auch im Sommer sehr lange geschlossen.[2]

In der Pandemie sollte bei Kindern auf eine gute Mediennutzung geachtet werden

Allein zu Hause – Medien ersetzen soziale Kontakte

Soziale Isolation ist ein Problem. Wer sich an seine eigene Kindheit und Jugend erinnert weiß, welch wichtige Rolle beim Heranwachsen der Kontakt zu Freunden einnimmt. Es bleibt eine große Lücke, die in der Pandemie allzu oft durch gesteigerten Medienkonsum gefüllt wird. Gerade die vermehrte Mediennutzung kann jedoch zusätzliche Folgen haben. Zwar ist die Forschung auf diesem Gebiet noch sehr lückenhaft, erste Ergebnisse lassen jedoch vermuten, dass übermäßiger Medienkonsum einen Einfluss auf die körperliche und geistige Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben kann.

Eine Studie deutet darauf hin, dass zu viel Mediennutzung bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr ursächlich für Konzentrationsschwierigkeiten und Hemmungen in der Sprachentwicklung sein könnte. Auch Hyperaktivität wird als Symptom in Betracht gezogen. Ältere Kinder leiden mit zunehmendem Medienkonsum vermehrt unter Konzentrationsschwierigkeiten. Darüber hinaus werden vor dem Bildschirm oft mehr zuckerhaltige Nahrungsmittel eingenommen. Es besteht die Gefahr von Übergewicht. Versuche deshalb auch in der Pandemie auf eine altersgemäße Mediennutzung deines Nachwuchses zu achten. Empfehlungen der Bundeszentrale für Gesundheit (BZgA), wie viel Zeit Kinder vor dem Bildschirm höchstens verbringen sollten, findest du beispielsweise hier. [3]

Kinder sollten in der Pandemie unterstützt werden

Wie können wir unsere Kinder unterstützen?

So sehr sich alle auch bemühen, die Auswirkungen des Lockdowns vollkommen abzufangen, es ist nicht möglich. Wir können nur versuchen Stress und emotionale Belastung, die die Auswirkungen der Pandemie verursachen, bestmöglich abzufedern und dabei kleine Schritte in Richtung Besserung gehen.

Tipp 1: Besprich mit deinen Kindern die aktuelle Situation

In emotional belastenden Zeiten nehmen Kinder ihre Eltern oft mehr in Anspruch und suchen Nähe und Unterstützung. Versuche die aktuelle Situation bezüglich der Corona-Pandemie in angemessener und ehrlicher Weise mit deinen Kindern zu besprechen. Die Ängste von Kindern können gelindert werden, wenn ihr sie in einem gemeinsamen Gespräch erörtert. Kinder beobachten außerdem das Verhalten und den emotionalen Umgang von Erwachsenen mit schwierigen Situationen genau und übernehmen das beobachtete Verhalten zur eigenen Krisenbewältigung. Eltern haben deshalb in der Pandemie eine besondere Vorbildfunktion.

Kinder sollten die aktuelle Situation besprechen.

Tipp 2: Gefühlen Ausdruck verleihen

Kinder versuchen ihren Gefühlen auf individuelle Art und Weise Ausdruck zu verleihen. Das kann zum Beispiel durch Kreativität oder Sport geschehen. Versuche deine Kinder im Verlauf der Pandmie bestmöglich zu unterstützen und biete ihnen die Möglichkeit, ihre Gefühle bei unterschiedlichen Aktivitäten auszudrücken. Im Internet findest du unzählige Bastelideen und Anregungen für sportliche Übungen, die auch von zu Hause aus super funktionieren. Es kann für Kinder sehr befreiend wirken, ihre Erlebnisse und Gedanken in einer geschützten und unterstützenden Umgebung spielerisch zu verarbeiten.

Tipp 3: Routinen behalten

Im Lockdown ist es von großer Wichtigkeit Familien-Routinen beizubehalten und auch neue Routinen zu etablieren. Das bedeutet herausfordernde und altersgerechte Aktivitäten für Kinder zu schaffen und mit Regelmäßigkeit in den Alltag zu integrieren. Ermutige deine Kinder sich trotz Pandemie zu sozialisieren und mit anderen zu spielen, je nach Situation notfalls auch nur im Kreis der eigenen Familie. Auch sollte auf regelmäßige und gesunde Mahlzeiten wertgelegt werden. Sobald sich eine Situation als Alltag etabliert, fallen mit der Zeit oft viele gute Vorsätze und Routinen unter den Teppich. Es lohnt also, sich regelmäßig selbst zu reflektieren. [4]

Entwickle mit deinen Kindern neue Routinen im Lockdown.

Tipp 4: Meditation zum Runterkommen

Eine Möglichkeit für ein Ritual, das ihr als Familie nutzen könnt, um Stress abzubauen und Emotionen zu verarbeiten, sind meditative Übungen. Dir als Elternteil kann Meditation helfen, dein eigenes emotionales Gleichgewicht in Stresssituationen zu wahren und diese innere Balance auch an deine Sprösslinge weiterzugeben. Auch Kinder können, so denn Interesse besteht, mitmeditieren und von meditativen Übungen profitieren. Stilles Meditieren ist für viele Kinder eher anstrengend oder langweilig. Da geht schnell die Puste aus. Versuche es doch mal mit angeleiteter Meditation. Wir von sonamedic bieten viele geführte Meditationen in Kombination mit Musik, die der meditativen Übung einen professionellen und interessanten Rahmen geben. Die sonamedic App kannst du hier herunterladen. Auch kann es helfen, Bewegungsabläufe in eure Meditationen einzubauen. So fällt Mitmachen und Dranbleiben auch jüngeren Kinder gar nicht mehr so schwer.

Wenn du Tipps und Tricks suchst, wie ihr als Familie Meditation in euren Alltag integrieren könnt und Anregungen für kleine Übungen brauchst, findest du auf unserer Wissensseite viele weiterführende Ratgeber. Tipps für kleine Atemübungen findest du beispielweise hier.

Achte auf altersgerechte Information

Tipp 5: Informiert euch gezielt

In der Pandemie ist es für Kinder und Jugendliche ebenso wie für Erwachsene wichtig, nicht ununterbrochen mit neusten Nachrichten konfrontiert zu werden. Alle Familienmitglieder sollten versuchen den Nachrichtenstrom zu durchbrechen und sich nur gezielt aus vertrauenswürdigen Quellen zu informieren. Plant als Familie dafür ein- bis zwei feste Zeitpunkte am Tag ein und versucht den Rest des Tages vom Nachrichtenstrom Abstand zu halten. Der gemeinsame Nachrichtenkonsum gibt Kindern darüber hinaus die Möglichkeit, mit ihren Eltern direkt über Gesehenes zu sprechen und die Lage auch gefühlsmäßig besser zu verstehen.

Quellenverzeichnis

[1] Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): Psychische Gesundheit von Kindern hat sich während der Corona-Pandemie verschlechtert: Online.

[2] Heinrich, Christian: Eine einschneidende Erfahrung: in Spektrum der Wissenschaft. Gehirn & Geist: Schöner Schmerz, zwischen Leiden und Lust, Heft 12/2020.

[3] Büsching, Dr. Uwe /  Riedel, Prof. Dr. Med. R./ Riedel: BLIKK-Medien: Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Medien, 2016, Online.

[4] World Health Organization: Mental Health and psychosocial considerations during the COVID-19 outbreak, März 2020, Online.

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