Zwei Kinder, der Junge links hat ein Eis in der Hand, das Kind rechts neben ihm hat kein Eis abbekommen. Es sieht unglücklich aus, man sieht ihm den Neid an

Neid – Warum Vergleiche unglücklich machen

Neid – Ansporn oder Missgunst?

Junge mit Eiscreme links, der genüsslich voller Dankbarkeit sein Eis genießt. Rechts ein unglückliches Kind, das vor lauter Neid das Gesicht verzieht. Es ist klar, dass es neidisch ist und die Erwartungen hatte ebenfalls ein Eis zu bekommen

Mal ganz ehrlich, wer kennt es nicht? Die beste Freundin findet den scheinbar perfekten Job, während man selbst bereits das dritte Praktikum absolviert. Währenddessen bezieht der Kollege nach kurzweiliger Suche seine Traumwohnung, obwohl man seit Monaten keine Besichtigung verpasst hat. Da schleicht es sich an, ein Gefühl der Minderwertigkeit, Missgunst und zu einem gewissen Grad auch Scham. Die Rede ist von Neid.

Was ist Neid?

Neid ist ein in uns tief verwurzeltes Gefühl, das sich nicht gerade schön anfühlt und keiner so Recht haben will. Obendrauf eine Emotion, die gesellschaftlich keinen guten Ruf hat: Neidische Menschen gelten oft als missgünstig und unsympathisch. Das macht den Umgang mit Neid gleich doppelt so schwer. Doch warum empfinden wir überhaupt Neid und wie können wir damit umgehen?

Frau die einer anderen Frau aus Neid nachschaut. Das Bild ist schwarz weiß, weshalb sie unglücklich aussieht

Wenn wir neidisch sind, wollen wir das, was ein Anderer hat

Neid entsteht dann, wenn wir gerne etwas hätten, was jemand anderes hat. Wir sehen dann: Die andere Person hat mehr als wir selbst. Das geht häufig mit einem Gefühl der Minderwertigkeit einher. (1) Was für diese Abwärtsspirale meistens der Ursprung ist, klingt trivial, ist aber entscheidend: Wir haben uns zuvor verglichen.

Warum vergleichen wir uns?

Gruppe Erwachsener, die sich unterhalten. Sin der Unterhaltung vergleichen sie sich, scheinen aber nicht neidisch zu sein

Durch Vergleichen machen wir uns ein Bild von unserem Umfeld und von uns selbst

Wir messen uns mit anderen Menschen, um herauszufinden, wie wir im Vergleich zu ihnen abschneiden: Der Sozialpsychologe Leon Festinger spricht in der Theorie des sozialen Vergleichs” davon, dass Menschen wichtige Informationen über das eigene Selbst durch den Vergleich mit anderen gewinnen. Wir haben das Bedürfnis, uns ein realistisches Bild von der Welt um uns herum und uns selbst zu machen.

Kinder, die lernen und dabei vergleichen. Sie lernen durch den Vergleich dazu und stärken gleichzeitig ihre Selbstwirksamkeit.

Vergleichen kann uns auch motivieren und befähigen, dazuzulernen

Ein gewisses Maß an Vergleich ist somit normal und kann sogar motivierend sein. Es kann uns anspornen, unsere Fähigkeiten und Ziele zu verbessern und dazuzulernen.

Wir neigen dazu, uns mit Personen zu vergleichen, die ähnliche Fähigkeiten, Meinungen oder einen ähnlichen Hintergrund haben wie wir. Häufig entspringen diese Personen deshalb auch unserem sozialen Umfeld. (2,3)

Social Media ist die optimale Neid-QuelleReihe an Menschen, die mit ihren Handys auf Social Media Kanälen surfen. Die Farben des Bildes sind kühl gehalten und assoziieren, dass die Menschen unglücklich sind

Social Media Kanäle verführen uns ständig dazu, uns mit anderen zu vergleichen

Allerdings begrenzt sich unser Vergleich nicht nur auf unser unmittelbares Umfeld. Gerade in der heutigen Zeit sind wir ständig von Social Media umgeben. Fast 87% der deutschen Bevölkerung ist inzwischen auf den Social Media Plattformen vertreten (Stand 2022) (4). Viel zu einfach ist das Handy mal eben gezückt, ob in der Bahn oder abends im Bett. Wir sind ständig von Eindrücken aus dem Leben anderer überflutet.

Das führt dazu, dass wir zu jederzeit die Möglichkeit haben, uns in Relation zu Anderen zu setzen. Dadurch vergleichen wir uns erheblich öfter, als dass es für unseren eigenen inneren Wachstum nützlich wäre.

Durch Social Media erhalten wir eine verzerrtes und inszeniertes Abbild der Welt, in der wir leben

Die Influencerin, die schon nach wenigen Wochen mit ihrer Geschäftsidee tausende von Followern aus dem Ärmel schüttelt. Der Coach-Experte, der nie unglücklich scheint und sein Office an karibische Strände verlagert hat. Wir sind fasziniert davon, in andere Welten mitgenommen zu werden und einen Einblick in diese scheinbar perfekten Alltage zu bekommen. Das Problem ist jedoch: Diese Welten sind uns oft nicht zugänglich und inszeniert. Dennoch vergleichen wir uns mit dem, was wir auf den Social Media Kanälen so zugefüttert bekommen. Anschließend wundern wir uns: “Warum bin ich immer so unglücklich?”. (5,6)

Klar, auch der Fitnessguru kann uns ein Ansporn sein, wieder mit dem Joggen anzufangen und uns endlich gesund zu ernähren. Wie bereits erwähnt, Vergleichen kann uns motivieren und wir lernen dazu. Doch ab einem bestimmten Punkt wirkt sich Vergleichen negativ auf unser Wohlbefinden aus.

Warum macht uns Vergleichen unglücklich?Frau, die unglücklich vor dem Spiegel steht. Sie sieht unzufrieden aus. Grund ist das Vergleichen und Social Media Kanäle

Zu viel Vergleichen führt in eine Abwärtsspirale

Wenn wir uns zu sehr auf andere konzentrieren und uns dabei selbst vergessen, führt das in eine Abwärtsspirale. Genauso, wenn wir nie erreichen werden, was uns vorgelebt wird.

Durch übermäßiges Vergleichen übersehen wir das, was wir bereits haben

Der Vergleich entzieht uns dann das Gefühl der Fülle und Dankbarkeit. Wenn wir uns ständig darauf konzentrieren, was wir nicht haben, vergessen wir schnell die Dinge, die wir haben. Wir schätzen sie dann nicht mehr angemessen. Das passiert häufig rasch und unterbewusst, wenn wir uns in den Sog des endlosen Scrollen auf den Social Media Kanälen ziehen lassen. Wir sind dann schneller unglücklich. (6) Neid wird zu einem ständigen Begleiter und wir verlieren oft den richtigen Umgang damit.

Mann, der unglücklich auf dem Sofa sitzt in Zeiten von Social Media Kanälen und Neid

Was also tun? Wie gehen wir am Besten damit um, wenn wir neidisch sind, der Selbstzweifel nagt und Unsicherheit aufkommt?

Achtsamer Umgang mit Neid: Wie wir negative Emotionen konstruktiv nutzen können

Konstruktiver vs destruktiver Neid

Zunächst sollten wir uns erstmal klarmachen: Neid gehört zu unserem emotionalen Spektrum. Er ist in gewissem Maße normal. Zudem gibt es zwei unterschiedliche Arten von Neid: Der konstruktive und der destruktive Neid. Konstruktiver Neid geht im Gegensatz zum destruktiven Neid ohne Missgunst einher. Wenn wir also auch gerne diesen tollen Job der besten Freundin hätten ohne ihr zu wünschen diesen zu verlieren, dann ist das konstruktiver Neid. Destruktiver Neid wäre hingegen der Wunsch danach, dass der Kollege doch eine Absage für seine neue Wohnung bekommt. Nur letzterer ist moralisch fragwürdig. (7)

Hand die Keimling hält. Es ist ein Zeichen für inneren Frieden, Selbstwirksamkeit als Überwindung der Selbstzweifel und Neid

Vom Neid-Gefühl zu innerer Stärke und persönlichem Wachstum

Andersherum kann konstruktiver Neid innere Stärke oder auch Wachstum bedeuten, nämlich dann, wenn wir richtig mit ihm umgehen.

Wie gehe ich also richtig mit Neid um?

Akzeptiere den Neid
  • Nimm deine Emotionen an: Neid kann ein unangenehmes Gefühl sein. Dennoch ist es wichtig, zu akzeptieren und zu verstehen, dass es Teil unseres emotionalen Spektrums ist. Wir sollten uns nicht dafür schämen oder verurteilen, dass wir neidisch sind.
  • Akzeptiere mit Wohlwollen, dass die andere Person hat, was du gerne hättest.
  • Reflektiere über dein Bedürfnis: Wenn du neidisch wirst, nimm dir Zeit, um darüber nachzudenken. Was genau brauchst du oder wünschst du dir? Gehe in dich und frage dich, welche Bedürfnisse dahinter stehen und wie du diese Bedürfnisse auf andere Weise erfüllen kannst.
Wichtig ist es, sich realistische Ziele zu setzen
  • Du kannst den Neid auch nutzen, um dich zu motivieren Dinge zu erreichen. Wichtig ist nur, dass deine Ziele realistisch sind. Falls dein Ziel abwegig oder unerreichbar wie in den Social Media Beiträgen ist, gestehe dir dies ein.

Mann steht vor landschaftlicher Kulisse. Er ist bei seinem Ziel, dem Regenbogen, angekommen.

Vermeide Vergleiche
  • Vermeide Vergleiche: Wenn wir uns ständig mit anderen vergleichen, können wir leicht in die Falle des Neides geraten. Versuche, dich auf deine eigenen Ziele und Fortschritte zu konzentrieren und dich nicht mit anderen zu vergleichen.
  • Mach dir nochmal ganz bewusst, dass die Social Media Kanäle nur einen Bruchteil der Realität abbilden. Wir sehen inszenierte Versionen derer Personen, denen wir folge, nämlich häufig nur deren Höhepunkte und Erfolge.
Sei dankbar
  • Eine einfache Möglichkeit, Neid zu bekämpfen, ist, sich auf das zu konzentrieren, was du bereits hast. Versuche dankbar dafür zu sein. Denn der Mangel an Dankbarkeit und der Fokus auf das, was wir nicht haben, ist ein idealer Nährboden für Neid.

Dankbarkeit hilft uns Gefühle von Neid zu überwinden

Mann, der die Hände in Dankbarkeit zusammen vor der Brust hält.

Wie Dankbarkeit uns zu einem Leben in Fülle führen kann

Eine Haltung der Fülle und Dankbarkeit kann uns also helfen, Neid-Gefühle zu bewältigen. Wir sind zufriedener im Leben und sind weniger unglücklich. (8) So finden wir leichter inneren Frieden. Aber wie können wir uns in Richtung Dankbarkeit und Fülle bewegen?

Mit diesen Tipps können wir Dankbarkeit in unser Leben integrieren:

Schätze was du hast
  • Wir alle haben Dinge in unserem Leben, für die wir dankbar sein können. Es kann hilfreich sein, jeden Tag bewusst darüber nachzudenken, wofür man dankbar ist. Das können auch kleine Dinge sein, wie das weiche Kopfkissen oder der gute Kaffee am Morgen. Indem wir uns auf das Gute in unserem Leben konzentrieren, können wir uns von Neid und Unzufriedenheit distanzieren.
  • Konzentriere dich auf deine eigenen Ziele und Träume. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass jeder seinen eigenen Weg hat und dass es keinen Sinn macht, sich mit anderen zu vergleichen.
Achte auf dein Umfeld
  • Es ist wichtig, sich von Menschen fernzuhalten, die nicht gut für uns sind oder uns herabsetzen. Wir sollten stattdessen versuchen, uns von positiven und unterstützenden Menschen zu umgeben, die uns ermutigen und inspirieren.
Sei achtsam
  • Achtsamkeit ist eine großartige Methode, um uns in Richtung Fülle und Dankbarkeit zu bewegen. Indem wir uns auf den gegenwärtigen Moment konzentrieren und unsere Gedanken beobachten, können wir uns von negativen Gedankenmustern lösen. So können wir unsere Perspektive verändern.

zwei Hände, die eine Blume halten. Es ist ein Zeichen der Achtsamkeit und Dankbarkeit

Wenn du mehr zum Thema Dankbarkeit erfahren möchtest, schau in unserem Wissensartikel “Dankbarkeit: Der Schlüssel zu Wohlbefinden und besseren Beziehungen” vorbei.

Innerer Frieden durch Selbstwirksamkeit

Schlechte Voraussetzungen für den Neid: Selbstwirksamkeit stärkt unser Selbstbewusstsein

Um der Unsicherheit entgegenzuwirken gibt es noch eine weitere wichtige Möglichkeit. Diese hilft uns im Umgang mit Neid und auf dem Weg zum inneren Frieden. Die Strategie die gemeint ist, ist das Stärken der eigenen Selbstwirksamkeit.

Mann, der auf einem Berg sitzt und voller Selbstbewusstsein und Sebstwirksamkeits-Gefühl die Faust in die Höhe streckt

Wenn wir selbstwirksam handeln, dann sind wir davon überzeugt, dass wir in der Lage sind, bestimmte Ziele zu erreichen. Wir glauben, Herausforderungen bewältigen zu können. Wenn wir an unserer Selbstwirksamkeit arbeiten, steigern wir somit auch unser Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten. Dem Gefühl der Minderwertigkeit, das wir mit dem Neid fühlen, können wir so entgegenwirken. Denn wenn wir uns selbst als wirksam und kompetent erleben, können wir unsere Fähigkeiten besser einschätzen. Schwierigkeiten betrachten wir dann als Herausforderungen, die wir bewältigen können. Wir fühlen uns insgesamt stärker und besser. (9)

Wie kann man seine Selbstwirksamkeit stärken?

Smart Ziele formulieren und Selbstzweifeln vorbeugen
  • Setze dir realistische Ziele: Es ist wichtig, dass du dir Ziele setzt, die herausfordernd, aber dennoch erreichbar sind. Wenn du dir zu hohe Ziele steckst, kann das schnell zu Frustration und Enttäuschung führen. Manchmal hilft es auch, größere Ziele in kleinere Einzelschritte aufzuteilen.
  • Konzentriere dich auf deine Stärken: Überlege dir, in welchen Bereichen du besonders gut bist und setze deine Stärken gezielt ein. Das kann dir helfen, ein positives Selbstbild zu entwickeln und deine Selbstwirksamkeit zu steigern.

Bergsteiger, der an einer Wand hochklettert um seine Ziele zu erreichen. Es ist ein Beispiel für Selbstwirksamkeit

Sammle Erfahrungen und feiere deine Erfolge
  • Sammle Erfahrungen: Je mehr Erfahrungen du sammelst, desto mehr Vertrauen wirst du in deine Fähigkeiten bekommen. Suche gezielt nach neuen Herausforderungen und trau dich, aus deiner Komfortzone herauszukommen.
  • Reflektiere deine Erfolge: Nimm dir regelmäßig Zeit, um deine Erfolge zu reflektieren. Schreibe auf, welche Ziele du erreicht hast und wie du das geschafft hast. Das hilft dir, deine Selbstwirksamkeit zu stärken und dich auf kommende Herausforderungen vorzubereiten.
Vermeide negativen inneren Monolog
  • Wenn du ständig negative Gedanken über dich selbst hast, kann das deine Selbstwirksamkeit beeinträchtigen. Versuche stattdessen einen positiven inneren Monolog zu führen und dich selbst zu motivieren. Tauchen doch negative Gedanken über dich selbst auf, nehme sie kurz wahr und sag dir dann innerlich ein klares “Stopp!”. Das kann eine Abwärtsspirale der negativen Gedanken unterbrechen.

Befolgst du diese Tipps kannst du dein Selbstbild verbessern, stärkst dein Ich und wappnest dich gegen Selbstzweifel. (9)

Mit Dankbarkeit, Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit zu einem erfüllteren Leben

Frau die voller Freude die Arme in die Höhe reißt und die Sonne genießt. Sie lebt ein erfülltes leben voller Achtsamkeit, Dankbarkeit und in dem Moment ohne jegliche Selbstzweifel und Neid

Es gibt also einige Schritte, die wir unternehmen können, um mit negativen Emotionen wie Neid umzugehen. Durch das Erleben von Dankbarkeit und Fülle und durch Achtsamkeit können wir uns auf das konzentrieren, was wir haben. Es fällt uns so leichter unseren Fokus von dem abzuwenden was wir nicht haben, uns aber auf den Social Media Kanälen vorgelebt wird. Wir konzentrieren uns dann eher auf unsere eigenen Ziele und Träume und umgeben uns mit positiven Menschen. (10) Mit der Stärkung unseres eigenen Selbstbildes durch die Aktivierung unserer Selbstwirksamkeit fühlen wir uns stabiler und gefestigter. Auf diese Weise führen wir langfristig ein glücklicheres und erfüllteres Leben. (11)

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