Die Beatles

Lange Hippiegewänder, Blumenketten und verklärte Blicke voll tiefer Zufriedenheit – als die Beatles 1968 zum hinduistischen Guru Maharishi Mahesh Yogi nach Indien reisen, wecken diese Bilder zum ersten Mal ein breites Interesse für fernöstliche Philosophie und Meditation in der westlichen Gesellschaft. Die Bandmitglieder wollen im indischen Rashikesh einen Einführungskurs in die transzendentale Meditation besuchen und gleichzeitig Ideale der Hippiebewegung wie freie Liebe und ein humanes, friedvolles Miteinander zelebrieren. 800 Journalisten begleiten sie. (1)

Einige Jahre später begibt sich auch der spätere Apple Gründer Steve Jobs auf die Suche nach einem tieferen Lebenssinn nach Indien. Mit den Beatles verbindet ihn neben dieser spirituellen Reise eine Leidenschaft für Musik und Perfektion, seine Bewunderung für John Lennon, sowie ein 30 Jahre dauernder Rechtsstreit um den Namen Apple.

The Beatles, Pressekonferenz

Die Beatles im Erfolgsrausch

Mit mehr als 600 Millionen verkauften Tonträgern ist die Karriere der Beatles eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Schnell entwickelt sich jedes Konzert, ja jeder öffentliche Auftritt, zu einer Massenveranstaltung. Vor allem die ekstatische Verehrung weiblicher Fans nimmt zunehmend problematische Züge an. Oft kann die Band ihre Konzerte nur unter massivem Polizeischutz erreichen. Allmählich wird den Mitgliedern der Band der Rummel um ihre Personen zu viel.

Beatles im Menschentrubel, Frau ist begeistert

Abkehr von der Öffentlichkeit

Nach ihrer vierten Tournee, 1966 nach Chicago, kehrt die Band Live-Konzerten endgültig den Rücken, frustriert darüber, dass ihre Musik im schrillen Gekreische der Fans völlig untergeht. Auf einer Pressekonferenz stellen sie sich außerdem hinter die Friedensbewegung und kritisieren den Krieg der USA in Vietnam. Es folgen öffentliche Plattenverbrennungen und Demonstrationen des Ku-Klux-Klans.

Kreischende Fans, die Beatles

Suche nach einem anderen Weg – Meditation und Spiritualität

In dieser Zeit beginnen sich die Bandmitglieder, insbesondere aber Georg Harrison, für Meditation und Hinduismus zu interessieren. Harrisons Interesse wird auch durch den Konsum psychoaktiver Substanzen geweckt. Durch Harrison angeregt, besuchen die Beatles 1967 ein Seminar des indischen Gurus Maharishi Mahesh Yogi in Wales, der transzendentale Meditation lehrt, eine Abwandlung indischer Mantra-Techniken.

Die von Maharishi entwickelte transzendentalen Meditation  ist nach seinen Aussagen der einfachste Weg zu Glück und Erfüllung ist. Anhänger sollen durch die Methode der TM einen Zugang zur „Quelle der Schöpfung“ und zum „kosmischen Bewusstsein“ erhalten.

Jünger des Gurus

Während ihres Einführungswochenendes erhält die Gruppe eine Benachrichtigung über den Tod ihres Managers Brian Eppstein in London. Die Beatles reisen ab und verschieben die spirituelle Suche. George Harrison und John Lennon werben jedoch öffentlich für die Lehren Maharishis und machen die transzendentale Meditation so international bekannt. Maharishi nutzt als neuer „Hausguru“ der Beatles seine neue Popularität, um in der ganzen Welt Vorträge zu halten. (2)

Die Beatles reisen nach Indien

Indien, zwei Männer mit bunten Farben

Im Februar des darauffolgenden Jahres reist die Band zu einem mehrwöchigen Meditationskurs erneut zu Maharishi. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe anderer Kursteilnehmer und von unzähligen Journalisten in alle Welt übertragen, lassen sie sich in die Transzendentale Meditation einführen. Sie wandeln mit Blumenketten behangen durch durch die Gärten, waschen sich im Fluss, spielen Gitarre und singen. Die Bilder werden in die ganzes Welt gesendet und wecken in der westlichen Öffentlichkeit ein breites Interesse für Hinduismus, Buddhismus und Meditation.

Die Zeit in Indien – Die produktivste Phase der Beatles?

Die einzelnen Bandmitglieder folgen den Lehren Maharishis jedoch mit unterschiedlich starkem Ehrgeiz. Ringo Star kehrt bereits im März nach England zurück, Paul McCartney drei Wochen später. Nur John Lennon und Georg Harrison bleiben bis Mitte April.

Die Zeit in Indien ist vielleicht die produktivste Phase der Beatles. Lennon und Harrison schreiben 48 Songs, von denen es 18 auf das wenig später veröffentlichte, weiße Album schafften.

Indien, belebte Straße

Bruch mit dem Guru

Nachdem Gerüchte aufkommen, Maharashi hätte eine Teilnehmerin des Kurses verführt und andere Teilnehmerinnen belästigt, verlassen schließlich auch Lennon und Harrison Mitte April wütend Indien. „Der Kerl ist eben auch nur so ein geiler Bock“, empört sich John Lennon gegenüber einem Reporter.

Im Song Sexy Sadie verarbeiten die ehemaligen Jünger ihre Enttäuschung über den falschen Guru. Später entschuldigen sie sich jedoch persönlich bei Maharishi. Die Gerüchte werden nie bestätigt. (2)

Die Beatles gründen Apple Corps

Am 11. März 1968 stellen John Lennon und Georg Harrison das Label Apple Corps vor. Es soll sich der Förderung junger Talente in Musik, Film und Kunst widmen, ist jedoch nie wirklich erfolgreich. Das weiße Album der Beatles erscheint noch auf dem Label, kurz darauf gehen die Bandmitglieder einvernehmlich getrennte Wege. Der Name Apple des Labels soll später zu einem 30-jährigen Rechtsstreit mit dem gleichnamigen Konzern von Steve Jobs führen.

Steve Jobs und die Beatles

Die Beatles, Liveauftritt

Steve Jobs, das Mastermind und einer der Gründer des Technologieunternehmens Apple, bewundert die Beatles und insbesondere John Lennon Zeit seines Lebens. In seiner privaten Sammlung befinden sich Mitschnitte von Probeaufnahmen des Songs „Strawberry Fields Forever“.

Jobs ist insbesondere von der perfektionistischen Arbeitsweise hinter dem Song fasziniert. Immer wieder stoppt Lennon die Aufnahmen wegen einzelner, nicht perfekt klingender Akkorde. Monatelang feilen die Beatles wieder und wieder an ihrem Song. Ein Perfektionismus, der letztendlich den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen Lied und einem Meisterwerk ausmacht. Jobs versucht später den künstlerischen Anspruch der Beatles auf seine eigene Arbeit bei Apple zu übertragen. (3)

Jobs auf der Suche nach Spiritualität

Hippie-Truck

Steve Jobs Leben ist geprägt von der fortwährenden Suche nach einem tieferen Sinn. Als er ab 1972 das Reed College besucht, ist die Hochphase der Studenten- und Hippiebewegung gerade vorbei. Viele junge Menschen suchen nach alternativen Lebensentwürfen.

Jobs, sein Studienfreund und Hippie Daniel Kotte sowie dessen Freundin Elisabeth Holmes richten auf einem Dachboden ein Meditationszimmer ein. Gemeinsam besuchen sie Love-Festivals im Hare-Krishna Tempel oder gehen für kostenlose vegetarische Mahlzeiten in ein nahegelegenes Zen-Center. (4)

Steve Jobs Reise nach Indien

Himalaya, Berge

Jobs verschlingt in seinen Jugendjahren unzählige Bücher zu den Themen Meditation und Spiritualität. Wie die Beatles reist auch er im Jahr 1974 nach Indien. „Ich war beseelt von der Vorstellung der Erleuchtung und wollte herausfinden, wer ich war und wie ich mich in den Lauf der Dinge einfügte,“ beschreib Jobs später seine Reise.

Über Neu-Delhi reist er nach Westindien und lebte schließlich mehrere Wochen in einem Dorf im Himalaya. Er schläft auf einer Matratze bei einer einheimischen Familie und erkundet das Dorf und seine Umgebung. (5)

Jobs und der Guru

indischer Guru, Meditation

Als er hört, dass sich in der Nähe ein Guru mit seinen Anhängern versammelt, ergreift Steve Jobs die Gelegenheit, für eine tiefgehende spirituelle Erfahrung. Bei der Versammlung angekommen, stürzt er sich zunächst von Heißhunger gepackt auf das vorbereitete Essensbuffet. Der Guru bricht in Gelächter aus, als er das sieht. „Du bist wie ein Baby,“ sagt er zu Jobs. Er nimmt ihn bei der Hand und führt ihn, begleitet von einer Schar enger Anhänger, auf einem Pfad in die Berge. Angekommen bei einem kleinen See mit Brunnen, zückt er sein Messer, schäumt Jobs, dem zwischenzeitlich etwas mulmig geworden ist, den Kopf ein und rasiert seine lang gewachsenen Haare ab. (6)

Nach dieser merkwürdigen Erfahrung reist Jobs weiter durch das Land. Jetzt allerdings weniger auf der Suche nach einem Guru, als nach Erleuchtung, Einsamkeit und Askese. Als er schließlich nach Amerika zurückkehrte, laufen seine Eltern, die ihn vom Flughafen abholen, mehrfach an ihm vorbei. Der junge Mann mit kurz geschorenem Kopf, in gelbe indische Gewänder gekleidet, ist kaum wiederzuerkennen. (7)

Zurück in Amerika

Sein ganzes Leben hält Jobs an einigen Grundsätzen fest, die er auf seiner Reise kennengelernt hat. Vor allem das Prajñā, die Weisheit der Intuition, die aus geistiger Konzentration entsteht, hat ihn überzeugt. Jobs selbst sagt rückblickend: „Die Intuition ist ein sehr mächtiges Instrument, meines Erachtens viel mächtiger als der Intellekt.“

In Amerika meditiert Jobs regelmäßig und beschäftigt sich insbesondere mit dem Zen-Buddhismus. Er überlegte zeitweise sogar, nach Japan in ein Kloster zu gehen. Schließlich findet er mit Kobun Chino Otogawa einen lokalen Zen-Lehrer, mit dem er sich zwischenzeitlich fast täglich trifft und zu dem er eine enge Verbindung aufbaut. (8)

Steve Jobs und Apple

Apple II, Computer Steve Jobs

In der Wahrnehmung der Hippiebewegung wandelt sich die aufkommende Computertechnologie Anfang der 70er Jahre zu einem Symbol der Befreiung. Die anarchische Denkweise der Hippies eignet sich besonders gut, um sich in der neun Welt der Computer zurechtzufinden.

Mit dem Entschluss einen vollfunktionsfähigen Computer zu verkaufen, gründen Jobs und Freunden aus dem Hippiemilieu 1976 die Garagenfirma Apple. Sie wählen den Namen unter anderem, weil dieser Freundlichkeit und Einfachheit ausstrahlte und dem Begriff Computer die Schärfe nimmt. Apple entwickelte sich schnell zu einem der größten Tech-Unternehmen, das mit App Store und iTunes bald in viele weitere Geschäftszweige expandiert. [9]

Streit um den Namen Apple

moderne Applehardware

Apple Corps gegen Apple

1978, zwei Jahre nach Gründung der Firma Apple Computers, wird diese vom Plattenlabel Apple Corps der Beatles erstmals wegen Markenrechtsverletzung verklagt. Nach drei Jahren Rechtsstreit einigte man sich schließlich auf eine einmalige Zahlung von 80000 Euro zur Nutzung des Namens. Zusätzlich wird vertraglich festgelegt, dass Apple Computers niemals Musikprodukte vermarkten dürfe, Apple Corps niemals Computer. Ein Arrangement, das zu diesem Zeitpunkt als unverfänglich gilt.

Streit um iTunes

Während jedoch kein Mitglied der Beatles jemals einen Computer produzierte, orientiert sich Apple an der technologischen Weiterentwicklung. Bald integrierten sie in ihre Computer eine Funktion zum Musikabspielen, weswegen Apple Corps die Firma Apple Computers 1991 erneut verklagt. Als 2003 der iTunes Store online geht, beklagt sich ein Anwalt der Beatles, dass Jobs sich an keinerlei Vereinbarung halten würde. Eine endgültige Einigung gelingt erst im Jahr 2007. Für umgerechnet 500 Millionen Euro erwirbt Apple die Rechte am Namen Apple. Das Label der Beatles darf weiter Apple Corps heißen. (10)

Apple Notebook, reduziertes Design

Die Beatles und iTunes

Zwar sind die Streitigkeiten um den Namen Apple nun gelöst, Steve Jobs aber immer noch nicht zufrieden. Es wurmt ihn, dass die Musik seiner Lieblingsband nicht auf iTunes abrufbar ist. Zwar hätten die noch lebenden Bandmitglieder grundsätzlich nichts dagegen, sie müssen aber noch Differenzen über die digitalen Rechte ihrer Songs mit EMI Music klären. Steve Jobs äußert  dass es einer seine Wünsche sei, die Musik der Beatles noch zu seinen Lebzeiten in den iTunes Store zu bekommen.

Die Beatles auf iTunes

Im Sommer 2010 ist es dann schließlich soweit. Die Beatles und EMI einigen sich. Die Beatles erhalten einen Platz auf der Startseite von iTunes. Darüber hinaus drehte Apple mehrere Werbespots, die stets mit einer Schwarzweißfotografie von Paul McCartney und John Lennon enden.

Sie bringen außerdem gemeinsam eine Box heraus, die neben allen 13 Studioalben der Beatles ein Video des Washington-Coliseum-Konzerts von 1964 enthält. Die Beatles und Steve Jobs finden gerade rechtzeitig zusammen. 2011 stirbt Jobs an seiner Krebserkrankung. (11)

Quellen

[1] David Baldinger: Als der Summer of Love die Beatles zu Hippies machte, ORF, 2017, Online.
[2] Alex Raak: Der Lieblingsguru der Beatles,  Der SPIEGEL, 2018, Online.
[3] Walter Isaacson: Steve Jobs. Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers, 2011, Seite 495
[4] Ebd., Seite 56f
[5]  Ebd., Seite 57
[6] Ebd., Seite 69
[7] Ebd., Seite 71
[8] Ebd., Seite 72
[9] Ebd., Seite 81
[10] Ebd., Seite 496
[11] Ebd., Seite 613f

 

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