Natur, Erholung

Unerreichbare Gipfel, verwunschene Wälder, grüne Wiesen und Bäche mit kristallklarem Wasser – Die Natur fasziniert uns mit ihrer Schönheit und Vielseitigkeit. Sie ist ein Ort der Erholung, den wir mit innerer Ruhe, körperlicher Aktivität und Abstand zu unserem stressigen Alltag verbinden.

Der sprichwörtliche Naturerholungseffekt ist von der Wissenschaft vielfach belegt. Egal ob Kinder, Anwohner, Arbeitnehmer, Senioren in Pflegeheimen oder Geschäftsleute in der Innenstadt, sie alle können von den positiven Effekten eines naturnah gestalteten Umfelds profitieren. Grund genug, sich in den folgenden Abschnitten genauer mit unserer Beziehung zur Natur zu befassen, die tief in unseren Genen verankert liegt.

Wiese, Naturflächen zur Erholung

Natur als Ausgleich zur modernen Welt

Verlieren wir den Bezug zur Natur?

Die moderne Zivilisation, wie wir sie geschaffen haben, lässt der Begegnung mit unserer natürlichen Umgebung im Alltag wenig Raum. Zwischen asphaltierten Straßen, Verkehrslärm und hohen Hauswänden, die den Blick auf die Landschaft verdecken, bleibt in vielen Wohngegenden kaum Platz für grüne Erholungsflächen und Lebensraum für Pflanzen und Tieren.

Immer wieder ist von einer Naturentfremdung der jüngeren Generationen die Rede. Selbst Basiswissen über die Geschöpfe vor der eigenen Haustür geht verloren. Stattdessen steigt der Medienkonsum. Im Jahr 2019 waren Jugendliche im Schnitt 58 Stunden in der Woche online. [1]

Jugendliche auf der Wiese, Stadt

Naturerfahrung als Erholung vom Alltag

Obwohl die Natur immer mehr aus unserem Alltag verschwindet, wächst doch in vielen Menschen die Sehnsucht nach ihr. Am Wochenende oder im Urlaub unternehmen wir oft große Anstrengungen, um aus der Zivilisation ins Grüne zu kommen. Auch in den sozialen Medien finden sich unzählige Bilder von besonders schönen oder spektakulären Naturorten. Man könnte von einer Naturromantik sprechen, der viele Menschen verfallen sind. Besonders reizvolle Gegenden ziehen so große Menschenmassen an, dass sich der Erholungseffekt schnell ins Gegenteil umkehrt. Selbst das zwischenzeitlich aus der Mode geratene Wandern liegt wieder voll im Trend.

Die vielfältige Wirkung der Natur

Mädchen im Wald

Entspannung in der Natur

Befinden wir uns in einer natürlichen Umgebung, können wir kaum anders, als zu entspannen. Studien zeigen, dass die Konzentration von Stresshormonen bei einem Aufenthalt in der Natur signifikant abnimmt. Blutdruck und Puls sinken. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass in einer natürlichen Umgebung geistige und körperliche Stressfaktoren abwesend sind. Eine naturnahe Umgebung hat einen direkten positiven Effekt auf unsere Gefühlswelt. Sicher kennst du das Gefühl der Erholung nach einem Urlaub oder Ausflug im Grünen.

Frau, Spaziergang in der Natur bringt Erholung.

Kleine Spaziergänge besonders effektiv zur Erholung

Wissenschaftler der Universität Michigan konnten nachweisen, dass Spaziergänge von 20-30 Minuten im Grünen besonders effektiv zum Stressabbau sind. In einer Analyse sank die Konzentration der Stressanzeiger Cortisol und Alpha-Amylase im Speichel der Probanden in einer solchen Zeitspanne um mehr als 20 Prozent. Noch längere Spaziergänge verstärkten die erholsame Wirkung zwar, allerdings fiel der zusätzliche Effekt deutlich schwächer aus. [3]

Eine bessere Arbeitsatmosphäre

Auch für das Arbeitsklima sind natürliche Elemente sehr förderlich. Ein Fenster ins Grüne sorgt für Zufriedenheit und hilft bei der Konzentration. Büropflanzen haben einen ähnlichen Effekt. Mit einer ansprechenden Zimmerbegrünung arbeiten Angestellte etwa 15 Prozent effektiver, so eine Studie. Außerdem empfinden sie sich selbst als produktiver, leiden weniger unter Druck und bewerteten ihren Arbeitsplatz insgesamt als schöner. [4] [5]

Bürobegrünung sorgt für Konzentration und Erholung.

Grüne Innenstädte fördern den Umsatz

Auch Geschäfte profitieren von einer begrünten Umgebung. Kunden nehmen gerne längere Anfahrten in Kauf, um in einer begrünten Einkaufsstraße ihre Besorgungen zu machen. Sie fühlen sich während ihres Einkaufs wohler und sind bereit, mehr Geld auszugeben. Kein Wunder also, dass sie auch nach dem Einkaufen zufriedener mit ihrer Shoppingerfahrung sind. [6]

Ein Blick ins Grüne hilft beim Gesundwerden

Sogar Patienten können von einer natürlichen Gestaltung ihres Krankenzimmers profitieren. In einer Studie untersuchten Forscher den Einfluss von einem Fenster ins Grüne auf die Genesung von Patienten nach einer Gallenblasenoperation. Die Personen, die durch ein Fenster ins Grüne blicken konnten, wurden durchschnittlich früher aus dem Krankenhaus entlassen. Sie benötigten außerdem geringere Mengen Schmerzmittel und litten weniger unter postoperativen Komplikationen. [7]

Kinder am Strand

Kinder profitieren

Kinder stehen in ihrem geistigen und körperlichen Entwicklungsprozess noch am Anfang. Beim Heranwachsen profitieren sie auf vielfache Weise von der Nähe zum Grünen. Auf der einen Seite gehört körperlicher Aktivität an der frischen Luft zu einer gesunden Lebensweise. Mehrere Studien weisen aber darauf hin, dass sich eine natürliche Umgebung auch fördernd auf die geistige Entwicklung auswirkt. Eine naturnahe Umgebung sorgt außerdem für ein besseres Selbstwertgefühl. Kinder und Jugendliche mit ADHS, die in Gegenden mit mehr Grünflächen wohnten, haben oft weniger starke Symptome. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass naturnahe Wohngegenden meistens auch mit besseren sozialen und ökonomischen Voraussetzungen zum Heranwachsen verknüpft sind. [8] [9]

Unsere Urinstinkte bestimmen, was uns gefällt

Golfplatze, gleicht unserem natürlichen Habitat.

In unserer natürlichen Umgebung, unserem Biotop, fühlen wir uns also wohl und finden Erholung. Wir fühlen uns deutlich wohler als in einer künstlich geschaffenen Umwelt aus Stahl und Beton. Welche Form von Natur und Landschaft uns besonders gefällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Fast alle Menschen, egal ob aus Afrika, Asien oder Europa, bevorzugen ein savannenähnliches Landschaftsbild mit vielen Wasserstellen. Diese Vorliebe kann aus evolutionärer Sicht erklärt werden.

Unsere frühen Vorfahren lebten vermutlich in solchen Savannenlandschaften. Das freie Sichtfeld ermöglichte es, Feinde und Beutetiere schon aus weiter Entfernung zu erblicken. Eine grüne Landschaft mit vielen Wasserstellen versprach reichlich Nahrung, einzelnstehende ausladende Bäume boten Schutz vor Wind und Wetter. Auch heute fühlen wir uns in einer offenen grünen Umgebung deshalb besonders wohl, obgleich dieses Landschaftsbild leider nur noch selten zu finden ist. In der Zivilisation erfüllen beispielsweise Golfplätze die Kriterien für eine solche Wohlfühllandschaft. [10]

Meditative Ruhe in der Natur

Viele Reize in der Natur werden im Gegensatz zu Baustellen oder Verkehrslärm der modernen Zivilisation vom Gehirn nicht als Bedrohung eingestuft. Vogelgezwitscher, Meeresrauschen, Regentropfen, sie alle haben eine entspannende Wirkung auf uns.

Wir könnten von einer erholsamen äußeren Stille sprechen, die wir in der Natur mit all ihren natürlichen Hintergrundgeräuschen spüren. Diese äußere Stille ermöglicht es uns, auch innerlich Ruhe zu finden. Ein wichtiges Element in allen meditativen Übungen. Tiefergehende Informationen zum Thema Stille findest du in diesem Wissensartikel.

Meditation am Bergsee, Natur

Ein Stück Naturerholung für zu Hause?

Nicht immer haben wir die Möglichkeit in akuten Belastungssituationen in die Natur zu gehen, um uns zu erholen. Müssen wir aber auch nicht unbedingt. Selbst schöne Naturbilder an der heimischen Zimmerwand oder Naturgeräusche, abgespielt über eine Musikanalage oder Kopfhörer, haben eine entspannende meditative Wirkung auf uns. Wir können uns die Erholung also nach Hause holen.

Meditationen mit Natursounds zum Abschalten

Die sonamedic Meditations-App vereint Natursounds mit geführter Meditation, Musik und binauralen Beats zu stimmungsvollen Gedankenreisen. So kannst du mühelos auch zu Hause oder in einer Pause auf der Arbeit zu innerer Ruhe finden und neue Kraft schöpfen.

Eine große Vogelvielfalt macht so glücklich wie ein gutes Gehalt

Eisvogel, Anzeiger intakte Natur

Vögel machen glücklich

Vögel machen glücklich, wie eine Studie des Senckenberg-Forschungszentrums für Biodiversität und Klima zeigt. Die Forscher fanden heraus, dass Menschen, die in einer Umgebung mit vielen verschiedenen Vogelarten wohnten, besonders zufrieden mit ihrem Leben sind. Steigt die Anzahl an Vogelarten, macht dies sogar glücklicher als ein ordentlicher Gehaltsanstieg. Natürlich deutet eine große Vogelvielfalt auch auf mehr naturnahe Räume hin, die auch zur Erholung dienen können. Die Vogelvielfalt ist also nur ein Merkmal für eine intakte Umwelt. [11]

Ein Vogelhaus für Senioren

Vogelbeobachtung am Futterhaus, geistige Anregung

Was bringt mehr Freude im eigenen Garten als eine bunte Vogelschar, die sich am Futterhaus zum gemeinsamen Schmaus niederlässt? Ob Sperling, Meise, Rotkehlchen oder besondere Besucher wie Kleiber und Kernbeißer, die Beobachtung der Vögel macht vielen Menschen Spaß.

In einem wissenschaftlich begleiteten Projekt sollte diese Erfahrung auch Pflegeheimbewohnern zugänglich gemacht werden. Denn in vielen Einrichtungen leiden Pflegebedürftige unter einem hohen Verlust an Lebensqualität. Also wurden in den Heimen Vogelhäuschen aufgestellt, an denen die Bewohner die gefiederten Gäste beobachten konnten.

Die Senioren freuten sich

Mehr als die Hälfte der befragten Senioren beobachtete mehrmals die Woche das muntere Treiben am Futterhaus. Viele gaben an, sich durch das Projekt an Erfahrungen aus ihrer Kindheit und Jugend zurückzuerinnern. Die Vogelbeobachtung war willkommene Abwechslung und Erholung vom oft tristen Heimalltag.

Sowohl Wissenschaftler als auch Senioren konnten noch viele weitere positive Effekte entdecken. Die Bewohner freuten sich über geistige Anregung, die ihnen die Beobachtung der Vögel brachte. Sie fühlten sich insgesamt wohler und sozial verbunden. Auch ihre Mobilität wurde durch die Vogelbeobachtung gefördert. Viele Senioren besuchten die Futterstelle für Vögel täglich.  [12]

Quellen

[1] Michael Bosch, Stuttgarter Nachrichten: Deutsche Jugendliche sind 58 Stunden pro Woche online, 10.10.2019, Online.

[2] Terry Hartig, Richard Mitchell, Sjerp de Vries, and Howard Frumkin: Nature and Health, 2014, Online.

[3] MaryCarol Hunter, Brenda Gillespie, Sophie Yu-Pu Chen: Urban Nature Experiences Reduce Stress in the Context of Daily Life Based on Salivary Biomarkers, 2019, Online.

[4] Andrew Smith, Matthew Tucker, Michael Pitt: Healthy, productive workplaces: towards a case for interior plantscaping, 2011, Online.

[5] University of Exter: 31.08.2014: Why Plants in the office make us more productive, Online.

[6] Rainer Brämer: Grün tut uns gut: Daten und Fakten zur Renaturierung des Hightech-Menschen, 2008, Seite 57f, Online.

[7] Rainer Brämer: Grün tut uns gut: Daten und Fakten zur Renaturierung des Hightech-Menschen, 2008, Seite 12, Online.

[8] Aaron Reuben, Loise Arsenault, Daniel W. Belsky, Avshalom Caspi, Helene Fisher, Renate Houts, Terrie Moffitt, Candice Odgers: Residential neighborhood greenery and childrens cognitive development, 2019, Online.

[9] Rainer Brämer: Grün tut uns gut: Daten und Fakten zur Renaturierung des Hightech-Menschen, 2008, Online.

[10] Denise Jeitziner: Der Kick für den Kopf. Nicht entspannt uns Menschen so zuverlässig wie die Natur, Online.

[11] Joel Methorst, Katrin Rehdanz, Thamas Mueller, Bernd Hansjürgens, Aletta Bonn, Katrin Böhning-Gaese: The importance of species diversity for human well-being in Europe, 2021, Online.

[12] Prof. Dr. Elisabeth Kals, Patricia Zieries: Alle Vögel sind schon da – Vogelbeobachtung in vollstationären Pflegeeinrichtungen, 2020, Online.

 

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